Sonntag, 24. Oktober 2010

Visumantrag

Der nächste Schritt zur erfolgreichen Übersiedelung in die USA besteht darin, einen Antrag für ein Nichteinwanderungsvisum zu stellen. Hier gilt es zunächst das seitenlange Onlineformular DS-160 auszufüllen, das jeden deutschen Datenschützer auf die Barrikaden treiben müsste. Hat man es tatsächlich geschafft, diesen Fragebogen nach bestem Wissen und Gewissen auszufüllen, steht zugleich die nächste Herausforderung bevor: das hochzuladende Foto! Weißer Hintergrund, 5 x 5 cm, unverdeckte Ohren, kein offenes Lächeln. Letzeres erledigt sich durch die Vorgaben automatisch von selbst, da selbst der motivierteste Mitarbeiter eines deutschen Fotostudios irgendwann nur noch froh ist, wenn die Aufnahme im Kasten ist. 

Anschließend muss man telefonisch einen Termin beim Konsulat vereinbaren, um das Visum zu beantragen. Der erste Kontakt mit Mitarbeiter amerikanischer Behörden ist meistens ziemlich ernüchternd. Man wird bereits am Telefon nach Formularen und Beglaubigungen gefragt, von denen man noch nie gehört hat und nachdem man glaubhaft versichert hat, sich um die Beschaffung derselben zu kümmern, bekommt man Terminvorschläge mitgeteilt, die nicht unbedingt das dem eigenen Wohnsitz nächste Konsulat betreffen. Schließlich könnte ja jeder auf die Idee kommen, in die USA überzusiedeln. Zähe Verhandlungstaktik ist also angesagt, um den Konsulatsmitarbeiter zu bewegen, Gnade vor Recht ergehen zu lassen, um einen geeigneten Termin zu ergattern. 

Die Stunde Null der Visumbeschaffung schlug einige Wochen später. Bewaffnet mit einem Stapel Unterlagen, unseren Reisepässen und ausreichend Bargeld zog ich eine Nummer und stand artig und vor allem pünktlich in der Schlange, um Einlass in das amerikanische Konsulat in Frankfurt zu erhalten. Nachdem ich es durch alle Sicherheitsschleusen geschafft hatte, beantwortete ich ebenso artig alle Fragen an dem mir zugeteilten Schalter, bezahlte ohne zu Murren einen Aufschlag auf die Visumsgebühr, da sich der Wechselkurs in der Zwischenzeit zugunsten des Dollar geändert hatte und beantwortete ebenso artig alle Fragen, die mir ein Konsulatsmitarbeiter gelangweilt stellte. Und siehe da – meine Geduld schien sich auszuzahlen, denn mir wurde mitgeteilt, mit meinen Unterlagen sei alles in Ordnung und ich bekäme meinen Reisepass innerhalb einer Woche zugeschickt. Erleichtert machte ich mich auf den Heimweg, nicht ohne vorher meinen Mann zu informieren, dass dem Nachzug der Familie nun zumindest von behördlicher Seite nichts mehr im Wege stünde. Auch er war sichtlich erleichtert. Schließlich hatten wir schon die wildesten Geschichten gehört, aus welchen oft nicht nachvollziehbaren Gründen Visa abgelehnt werden.
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