Freitag, 12. November 2010

Fitness

Noch nie im Leben habe ich so viele dicke Menschen gesehen wie in den USA. Gleichzeitig habe ich auch noch nie so viele Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit und bei jeder Witterung durch die Straßen joggen sehen. Die meisten sind im knappen Sportoutfit und mit Knopf im Ohr ziemlich flott unterwegs. Erfreulicherweise hat sich Nordic Walking noch nicht etabliert oder diese Sportart ist hier bereits kläglich gescheitert, da sie den Amerikanern zu langsam ist...

Da die Winter in Chicago sehr kalt sind, so dass Outdoorsport schwierig wird, empfiehlt es sich rechtzeitig nach einem guten Fitnessstudio umzusehen, damit es die Fettpölsterchen in der kalten Jahreszeit mit all ihren Festivitäten nicht allzu einfach haben. Gesagt, getan. Nachdem sich einige der Fitnessstudios, deren Werbecoupons ich aus der Post gefischt hatte, als Muckibude entpuppt hatten, landete ich schließlich in einem „Athletics Club“, das sich in einem alten, aber sehr schön renovierten Backsteingebäude befindet. Die Ausstattung ist vom Feinsten, die Anzahl und Vielfalt der Kurse ansprechend und es gibt sowohl einen Indoor- als auch einen Outdoorpool. Außerdem verfügt der Club über eine beeindruckende Kletterwand. Ich beschloß also eine Mitgliedschaft zu wagen und schaute mir zunächst die Spinningkurse an. Zunächst stellte ich fest, dass die Kurse nur 50 Minuten dauern bzw. mit je fünf Minuten Warm-up und Cool-down eigentlich nur 40 Minuten – die Mindestdauer, damit sich der Fettstoffwechsel überhaupt in Bewegung setzt. Außerdem liegt vor dem Kurs eine Liste aus, auf der man sich ein Bike reserviert, denn es gilt: the early bird gets the best bike! 

Die ersten Spinningkurse starten übrigens bereits um 6.00 Uhr morgens und zwar täglich. Die Amerikaner lieben es nämlich, sich bereits vor der Arbeit sportlich zu betätigen. Diese Vorliebe scheint sich in Deutschland bisher noch nicht durchzusetzen. Ich erinnere mich, dass vor einiger Zeit in meinen Heimatstudio die ersten Spinningkurse um 7.00 Uhr angeboten wurden. Allerdings nur wenige Wochen, denn der einzige, der regelmäßig zum Kurs erschien, war der Trainer selbst. 

Wunderbar ist die Tatsache, dass die Handtücher gestellt werden und man sich seine Getränke selbst mitbringen kann, so dass einem neben dem Mitgliedsbeitrag nicht auch noch eine Getränkepauschale aufgedrückt wird. Erstaunt war ich allerdings, dass der komplette Umkleideraum mit Teppich ausgelegt ist, denn die Amerikaner sind immer sehr darauf bedacht, sich in einer aseptischen Umgebung zu bewegen. Auf dem Weg in die Dusche kam ich an einem Gerät vorbei, das auf den ersten Blick wie eine Waschmaschine in Kleinformat aussah. Diese entpuppte sich als „Swimsuit Water Extractor“, d.h. man wirft seinen nassen Badeanzug hinein, drückt den Deckel für einige Sekunden zu und schwuppdiwupp ist er wieder so gut wie trocken. Zur Sicherheit stehen noch Plastiktüten zur Verfügung, in die man seine Badesachen nach erfolgreicher Durchführung verschwinden lassen kann. Welch‘ praktische Erfindung – ich bin begeistert!


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