Im interkulturellen Training, das wir vor unserer Abreise durchlaufen haben, wurden verschiedene Phasen der Integration vorgestellt: Zu Beginn des Auslandsaufenthalts befindet man sich in einem normalen Gemütszustand. Nun ja, wenn ich an die emotionalen Abschiede und die Hektik der letzten Tage denke, würde ich diese Phase im Nachhinein eher als latenten Erschöpfungszustand mit gleichzeitiger extremer Anspannung bezeichnen.
Danach kommt die sogenannte „Honeymoon Phase“. Alles ist neu und aufregend. Es gibt viel zu Entdecken und zu Bestaunen. Diese Phase haben wir in der Tat kennengelernt, intensiv durchlaufen und vor einigen Wochen hinter uns gelassen. Es folgt die Stressphase – der sogenannte Kulturschock! Man stellt fest, dass die Bewohner dieses Landes zwar zum großen Teil so aussehen wie Europäer, aufrecht gehen, in befestigten Unterkünften leben und zur Arbeit, in die Schule oder zum Einkaufen vorzugsweise mit dem eigenen Auto fahren, aber dann hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Ihr Lebensrhythmus und die Art und Weise, wie sie ihren Alltag bestreiten, unterscheidet sich deutlich von der europäischen und meiner glaube ich ganz besonders. Die Amerikaner sind eine Nation von „early birds“, die offensichtlich auch am Wochenende gerne mit dem ersten Hahnenschrei aus dem Bett springen, um ihren vielfältigen Aktivitäten nachzugehen, d.h. viele Veranstaltungen, egal ob sportlicher oder familiärer Natur, beginnen bereits um 7:30 oder 8:00 Uhr. Da öffnet in Deutschland gerade mal der Sonntagsbäcker seine Pforten und die Schlange vor der Tür ist noch sehr überschaubar!
Die Symptome dieses Kulturschocks werden wie folgt beschrieben: Gefühle des Unwohlseins und der Frustration, Erschöpfung und Müdigkeit, starkes Heimweh, Gefühl der Hilfslosigkeit und Unfähigkeit, die Anforderungen des täglichen Lebens zu bewältigen, Wut und Ärger über Kleinigkeiten und der starke Wunsch mit Landsleuten zusammen zu sein. Alle Symptome kann ich in einer mehr oder weniger starken Ausprägung bestätigen. Anschließend kommt die sogenannte „Adaptionsphase“, in der man sich stufenweise an das Leben im fremden Land anpasst – nicht ohne den ein oder anderen kleinen Rückfall!
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