Dienstag, 18. Januar 2011

Internations

Diese „community for expatriats and global minds“ ist eine Organisation mit über 200 Standorten weltweit und soll Expats in aller Welt helfen, an ihrem momentanen Aufenthaltsort neue Kontakte zu knüpfen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, um die Startphase zu erleichtern. Zwei sogenannte „ambassadors“ organisieren einmal pro Monat ein informelles Treffen in wechselnden Locations, die im Moment in Chicago angesagt sind. Durch unser interkulturelles Training in Deutschland mit einer sechsmonatigen, kostenlosen Mitgliedschaft versehen, hatte ich nach unserem Umzug mein Profil aktiviert und mit einem der ambassadors Kontakt aufgenommen, der mich sogleich zum nächsten Treffen einlud. 

Da die Treffen auch an wechselnden Tagen stattfinden, sollte es allerdings noch einige Monate dauern, bis ich mich zu einem Event aufmachen konnte, das an einem Samstagabend in einer Sportsbar stattfand. Neugierig steuerte ich die Lokalität an. Nachdem mich der Türsteher mit einem Bändchen ausgestattet hatte, das belegte, das ich eine Internations-Teilnehmerin war, öffnete er die Tür zum Ort des Geschehens und wies mich an, mich rechts zu halten. Ein wichtiger Hinweis, denn die Bar war rappelvoll und da im Fernsehen gerade ein Football-Match übertragen wurde, vollgestopft mit Fans, die in angemessenem Outfit und mit bereits ziemlich hohem Alkoholpegel ihre Mannschaft lautstark unterstützten. Ich hatte immer noch keine Ahnung von American Football und war auch nicht gewillt, dies in der Kürze der Zeit zu ändern.

An einem der Bistrotische wedelte mir jemand einladend zu. Ich schaute mich vorsichtshalber um. Meinte er wirklich mich? Es stellte sich heraus, dass es Francisco war, der ambassador, mit dem ich bereits einige Mails ausgetauscht hatte. Er begrüßte mich überschwänglich und schleppte mich gleich an einen der Tische, um mich einigen Internations-Mitgliedern vorzustellen. Francisco entpuppte sich als omipräsenter Organisator und Kommunikator – er war den ganzen Abend einfach überall. Sobald er jemanden entdeckte, den er noch nicht kannte, setzte er sich in Bewegung und schleppte den Neuankömmling fröhlich an einen der Tische. Es wurde ein kurzweiliger Abend, denn schließlich hatten alle Teilnehmer das Ziel, neue Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und dabei möglichst viel Spaß zu haben. Dies verkürzte die sonst übliche zwischenmenschliche Aufwärmphase ungemein. Ich lernte daher in kurzer Zeit Menschen aus allen Teilen der Welt kennen, die einen internationalen Background hatten und in mehreren Sprachen zu Hause waren. 

Nach fast drei Stunden intensivem interkulturellen Austauschs klingelten mir die Ohren und ich verließ den Ort des Geschehens nicht ohne folgendes Resümee zu ziehen: Anregenden Abend verbracht, interessante Kontakte geknüpft, aber auch gelernt, dass Sportsbars nicht der optimale Ort sind, um dauerhaft ohne Gehörschaden zu kommunizieren.

Donnerstag, 13. Januar 2011

All eyes on Heidi!

Heute in der kostenlosen Stadtzeitung RedEye entdeckt! Es ist sehr beruhigend, wenn man feststellt, dass man auch fern der Heimat immer über die wirklich wichtigen Ereignisse in Deutschland auf dem Laufenden ist. Da soll nochmal jemand behaupten, die USA würden sich nicht für zivilisiertes Leben außerhalb ihrer Landesgrenzen interessieren!





Montag, 10. Januar 2011

Skating in the sky

Das Hancock Center bietet dieses Jahr eine besondere Attraktion: Im 94. Stock wartet die höchste Eislaufbahn der Welt auf sportliche Besucher. Die Bilder auf der Website sahen sehr verlockend aus. Zudem sollte die Laufzeit von 25 Minuten nur 5 Dollar kosten – ein echtes Schnäppchen. Auch Schlittschuhe konnte man sich für nur einen Dollar ausleihen.  Meine Kinder waren von der Idee sehr angetan und eine Online-Buchung wurde auch angeboten. Ich schritt also zur Tat. Die maximale Anzahl der verfügbaren Karten pro Laufzeit von 15 Stück ließ mich zwar im ersten Moment stutzen, aber die Größe der Eisbahn von nur 80 m² schien dies zu rechtfertigen. Bei der Buchung stellte sich schnell heraus, dass neben den Karten für die Eislaufbahn auch noch der Eintrittspreis für das Hancock Center gezahlt werden musste. Ok – dies war also der Haken an der Sache, aber auch dies schreckte uns nicht ab.

Da es sich um eine Indoor-Eisbahn handelte, wurde Kunsteis verwendet. Auch damit hatten wir bisher keine Erfahrungen gesammelt. Wir beschlossen trotzdem zu buchen und brachen am frühen Samstagabend zum Hancock Center auf. Gespannt sausten wir in 40 Sekunden nach oben – habe ich schon einmal erwähnt, dass das Hancock Center den schnellsten Aufzug der USA sein eigen nennt? Unsere Ohren können dies jederzeit bestätigen. Nach einem intensiven Druckausgleich stiegen wir aus und bogen um die Ecke. Da stand sie nun – eine schnuckelige Mini-Eisbahn, die in natura ganz anders aussah als auf der Website. Die Bande war viel höher und das Kunsteis sah schon ziemlich mitgenommen aus. Immerhin stimmte die Aussicht.

Wir schnallten unverdrossen unsere Schlittschuhe an und wackelten in Richtung Eingangstür. Nach den ersten Runden verstanden wir auch, warum das Kunsteis auch gut für Anfänger geeignet ist: man kommt nämlich nicht so recht vom Fleck und das Schlittschuhlaufen war eher ein Schlittschuhspaziergang. Wir beschlossen das Beste aus der Situation zu machen und uns zumindest vor der Skyline fotografieren zu lassen. Diese Aktion war wenigstens von Erfolg gekrönt und die Kinder freundeten sich im Laufe der knapp bemessenen Zeit auch mit dem Kunsteis an. Schließlich ging es nicht darum, sportliche Höchstleistungen zu vollbringen, sondern das Gefühl zu verinnerlichen, hoch über den Wolken auf Schlittschuhen stehen zu dürfen.