Donnerstag, 17. März 2011

St. Patrick’s Day

Am 17. März feiern die Iren und ihre Nachfahren auf der ganzen Welt ihren Schutzheiligen. Laut dem US News & World Report ist Chicago nach Boston der zweitbeste Ort in den USA nach Boston, um diesen Feierlichkeiten beizuwohnen. Falls das Datum auf einen Wochentag fällt findet die obligatorische St. Patrick’s Parade am Samstag zuvor statt. Dies macht das Leben für die Organisatoren und Teilnehmer einfacher, lockt mehr Zuschauer an und sorgt für eine ungetrübte Feierlaune. 

Bereits Tage zuvor wurde die ganze Stadt zunehmend grüner, obwohl die Temperaturen keineswegs für frühlingshafte Stimmung sorgten. Vielmehr wurden überall Kleeblätter aufgehängt und angeklebt und in den Drogeriemärkten konnte man sich mit den notwendigen Accessoires für den großen Tag Irlands versorgen. Von Boxershorts, Strumpfhosen, T-Shirts, Brillen mit Kleeblattgläsern, blinkende und nichtblinkende Kleeblattketten, Pins mit Aufschriften wie „Irish for the day“ oder „Kiss me – I am Irish“ bis hin zu Kopfbedeckungen in Bierkrug- oder Kleeblattform gab es alles, was das Herz höher schlagen ließ. Es war daher ein Leichtes, sich für einen Tag in einen „Plastic Paddy“, d.h. in einen nicht irischstämmigen Sympathisanten zu verwandeln. Am Tag der Parade konnte man bereits morgens um 8.00 Uhr kostümierte Trupps beobachten, die in Richtung Innenstadt oder zu einer der irischen Kneipen zogen. 

Chicago bietet zudem die Besonderheit, dass zur Freude der alljährlichen über 100 000 Zuschauer vor der Parade der Chicago River grün gefärbt wird. Dazu fuhr auch dieses Jahr ein Motorboot den Fluss entlang und kippte neun kg orangefarbenen Pflanzenfarbstoff in den Fluss, der sich im Wasser in ein wundervolles irisches Smaragdgrün verwandelte. Ein zweites Motorboot fuhr kreuz und quer hinterher, damit sich die Farbe schneller verteilte.

Nach dieser beeindruckenden Präsentation irischer Färbekunst, strömten die Massen zügig zum Columbus Drive, um den Start der St. Patrick’s Parade um High Noon nicht zu verpassen. Der Umzug erinnerte uns etwas an die deutschen Faschingsumzüge, denn auch hier zogen geschmückte Wagen mit politischen Motiven, Vereine und Musikkapellen jeder Art sowie diverse Heimatclubs in bester Stimmung an uns vorbei. Neben Süßigkeiten wurden aber auch grüne Plastikhütte, Ketten, Kleeblattsticker und Mc Donalds-Gutscheine verteilt, denn Ronald McDonald war ebenfalls mit einem Wagen vertreten. Hatte er etwa auch wie 36.9 Millionen weitere Amerikaner irische Wurzeln, oder wollte er die Parade nur nutzen, um schnöde Werbung für den nun allerorts zu kaufenden Shamrock-Shake zu machen? Ein definitives Highlight für meinen Sohn war eine Haarfärbesprühaktion, die ihm grüne Strähnchen bescherte und ihn als stolzen Besucher der Parade auswies.

Insgesamt hatten sich 156 Organisation und Gruppen für den Umzug angemeldet, so dass die Parade über zwei Stunden dauerte. Da die Temperaturen sich um den Nullpunkt bewegten , vom See ein eisiges Lüftchen blies und das ständige Winken nicht ausreichte, um nicht langsam festzufrieren, lichteten sich die Zuschauerreihen bereits nach einer Stunde merklich. Am Ende der Parade hielt sich die Anzahl der Zuschauer und der Teilnehmer fast die Waage. 

Der Rest wärmte sich vermutlich in einer der mehr als hundert irischen Kneipen mit Hilfe des in der Werbung angepriesenen irischen „Dream teams“ (Baileys, Guiness und Bushmills) oder bei einem grünen Bier auf. 

Auf dem Rückweg trafen wir auf bereits stark angeheiterte irische Fantruppen, die sich gegenseitig anlallend und stützend durch die Stadt bewegten. Gegen Abend hörten wir dann ständig die Sirenen der Ambulanz und fragten uns, was wohl am eigentlichen St. Patrick’s Day alles passieren würde.

Dienstag, 1. März 2011

Goethe-Institut

Obwohl ich schon seit Monaten den Newsletter abonniert habe und diesen auch aufmerksam studiere, hatte ich es noch nicht geschafft, eine der kulturellen Veranstaltungen zu besuchen. Als aber eines Abends ein Lyrik-Mix mit Slam Poetry auf dem Programm stand, beschloss ich die Gelegenheit endlich beim Schopf zu ergreifen und mich nach längerer Abstinenz einen Abend lang der muttersprachlichen Poesie zu widmen.

So saßen wir kurz vor 18.00 Uhr erwartungsvoll im Publikum und warteten gespannt auf den Vortrag der Dichterin Nora Gomringer. Sie kam, sah und startete mit einigen Gedichten über die Höhen und Tiefen zwischenmenschlicher Beziehungen durch. Dabei verließ sie sich nicht nur auf die Wirkung ihrer Worte, sondern untermalte die lebensnahen Geschichten mit ausdrucksstarken Gesten und setzte gezielt passendes Mobiliar ein, um die Wirkung Ihrer Wortakrobatik noch zu verstärken. Sie nahm uns auf eine abwechslungsreiche Reise durch die deutsche Lyriklandschaft mit, und stellte alle wichtigen Lebensbereiche entweder als Slam Poetry-Vortrag oder in Gedichtform vor. Dabei handelte es sich sowohl um selbstgeschriebene Gedichte, um klassische Dichtkunst als auch um weniger bekannte Pretiosen bekannter Lyriker oder Wort-Akrobaten. So spannte sie den Bogen von Goethe, Tucholsky, Ringelnatz, Brecht und Feuchtwanger bis hin zu Jandl.

Sie trug die Lyrik aber nicht nur vor, sondern sie erfüllte sie mit Leben und ging ganz in ihr auf, so dass die Zuschauer rasch in ihren Bann gezogen wurden. Außerdem hatte sie ein gutes Gespür für die richtige Themenmischung und ihre entsprechende Dosierung, so dass der Abend auch für meinen Sohn sehr kurzweilig verlief und wir in bester Stimmung am Ende der Veranstaltung nach Hause fuhren. Meinen Sohn hatte den Ausflug in die deutsche Muttersprache sogar soweit inspiriert, dass er beschloss ein eigenes Buch über sein Leben in den USA zu schreiben. Und mich hatte die Veranstaltung insofern inspiriert, dass ich beschloss, in Zukunft einen intensiveren Blick auf das Veranstaltungsprogramm zu werfen.