Am 17. März feiern die Iren und ihre Nachfahren auf der ganzen Welt ihren Schutzheiligen. Laut dem US News & World Report ist Chicago nach Boston der zweitbeste Ort in den USA nach Boston, um diesen Feierlichkeiten beizuwohnen. Falls das Datum auf einen Wochentag fällt findet die obligatorische St. Patrick’s Parade am Samstag zuvor statt. Dies macht das Leben für die Organisatoren und Teilnehmer einfacher, lockt mehr Zuschauer an und sorgt für eine ungetrübte Feierlaune.
Bereits Tage zuvor wurde die ganze Stadt zunehmend grüner, obwohl die Temperaturen keineswegs für frühlingshafte Stimmung sorgten. Vielmehr wurden überall Kleeblätter aufgehängt und angeklebt und in den Drogeriemärkten konnte man sich mit den notwendigen Accessoires für den großen Tag Irlands versorgen. Von Boxershorts, Strumpfhosen, T-Shirts, Brillen mit Kleeblattgläsern, blinkende und nichtblinkende Kleeblattketten, Pins mit Aufschriften wie „Irish for the day“ oder „Kiss me – I am Irish“ bis hin zu Kopfbedeckungen in Bierkrug- oder Kleeblattform gab es alles, was das Herz höher schlagen ließ. Es war daher ein Leichtes, sich für einen Tag in einen „Plastic Paddy“, d.h. in einen nicht irischstämmigen Sympathisanten zu verwandeln. Am Tag der Parade konnte man bereits morgens um 8.00 Uhr kostümierte Trupps beobachten, die in Richtung Innenstadt oder zu einer der irischen Kneipen zogen.
Chicago bietet zudem die Besonderheit, dass zur Freude der alljährlichen über 100 000 Zuschauer vor der Parade der Chicago River grün gefärbt wird. Dazu fuhr auch dieses Jahr ein Motorboot den Fluss entlang und kippte neun kg orangefarbenen Pflanzenfarbstoff in den Fluss, der sich im Wasser in ein wundervolles irisches Smaragdgrün verwandelte. Ein zweites Motorboot fuhr kreuz und quer hinterher, damit sich die Farbe schneller verteilte.
Nach dieser beeindruckenden Präsentation irischer Färbekunst, strömten die Massen zügig zum Columbus Drive, um den Start der St. Patrick’s Parade um High Noon nicht zu verpassen. Der Umzug erinnerte uns etwas an die deutschen Faschingsumzüge, denn auch hier zogen geschmückte Wagen mit politischen Motiven, Vereine und Musikkapellen jeder Art sowie diverse Heimatclubs in bester Stimmung an uns vorbei. Neben Süßigkeiten wurden aber auch grüne Plastikhütte, Ketten, Kleeblattsticker und Mc Donalds-Gutscheine verteilt, denn Ronald McDonald war ebenfalls mit einem Wagen vertreten. Hatte er etwa auch wie 36.9 Millionen weitere Amerikaner irische Wurzeln, oder wollte er die Parade nur nutzen, um schnöde Werbung für den nun allerorts zu kaufenden Shamrock-Shake zu machen? Ein definitives Highlight für meinen Sohn war eine Haarfärbesprühaktion, die ihm grüne Strähnchen bescherte und ihn als stolzen Besucher der Parade auswies.
Insgesamt hatten sich 156 Organisation und Gruppen für den Umzug angemeldet, so dass die Parade über zwei Stunden dauerte. Da die Temperaturen sich um den Nullpunkt bewegten , vom See ein eisiges Lüftchen blies und das ständige Winken nicht ausreichte, um nicht langsam festzufrieren, lichteten sich die Zuschauerreihen bereits nach einer Stunde merklich. Am Ende der Parade hielt sich die Anzahl der Zuschauer und der Teilnehmer fast die Waage.
Der Rest wärmte sich vermutlich in einer der mehr als hundert irischen Kneipen mit Hilfe des in der Werbung angepriesenen irischen „Dream teams“ (Baileys, Guiness und Bushmills) oder bei einem grünen Bier auf.
Auf dem Rückweg trafen wir auf bereits stark angeheiterte irische Fantruppen, die sich gegenseitig anlallend und stützend durch die Stadt bewegten. Gegen Abend hörten wir dann ständig die Sirenen der Ambulanz und fragten uns, was wohl am eigentlichen St. Patrick’s Day alles passieren würde.
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