Dienstag, 5. April 2011

The Apostolic Church of God


Diese Kirche gehört zu den bekanntesten „black churches“ und befindet sich im Süden Chicagos. Auch Barack Obama schaute dort ab und zu vorbei, als er noch in Chicago lebte. Jeden Sonntag finden dort zwei Gottesdienste statt. Wir entschieden uns zu einem Besuch des Zweiten um 11.40 Uhr, wobei auch der Erste um 9.10 Uhr für amerikanische Verhältnisse relativ spät beginnt. Rund um das große Kirchengelände, das neben der Kirche auch weitere Versammlungs- und Sporteinrichtungen umfasst, sind überall Parkmöglichkeiten vorhanden, so dass einem entspannten Beginn des Gottesdienstbesuchs nichts im Wege steht, wenn man rechtzeitig anreist. 

An der Eingangstür zur Kirche stehen Helfer bereit, die jeden Besucher freundlich mit „God bless you“ begrüßen und den Weg ins Innere der Kirche weisen. Der Innenraum fasst 3000 Sitzplätze, die sich auf zwei Etagen verteilen. Als wir uns umschauen stellen wir fest, dass nicht viele weiße Besucher den Weg hierher gefunden haben. Wir fühlen uns aber keinesfalls unwohl. Ganz im Gegenteil, es herrscht eine herzliche, fast feierliche Atmosphäre und man merkt vielen Besuchern die Freude über das bevorstehende Ereignis an. Jede Altersgruppe vom Säugling bis zum Greis ist vertreten und viele haben sich für den Gottesdienstbesuch richtig schick gemacht. Als es dann endlich losgeht, haben wir zuerst das Gefühl in einem Gospelkonzert gelandet zu sein, denn der Chor singt mit solcher Inbrunst einige Lieder, die von einigen Solistinnen begleitet werden, dass es die Kirchengemeinde nicht lange auf den Sitzen hält. Da wird getanzt, geklatscht und mitgesungen. 

Danach folgt das Begrüßungsgebet durch den bekannten Pastor der Gemeinde, Dr. Byron T. Frazier. Er bezieht sowohl das aktuelle Weltgeschehen als auch die täglichen Lebensumstände seiner Gemeinde in seine Worte mit ein. Auch hier stehen Besucher auf, machen eine zustimmende Bemerkung oder bestätigen das Gesagte mit einem eindringlichen „hey, man“. Der Pastor scheint die Sorgen und Nöte seiner Schäflein bestens zu kennen, denn je länger er spricht, desto lauter und häufiger werden die Zurufe. Man merkt, dass viele gekommen sind, um Trost zu finden oder um neue Kraft für den harten Alltag zu schöpfen. Anschließend wird gemeinsam aus der Bibel gelesen und wieder ausgiebig gesungen. Neben uns sitzt ein älterer Mann, der immer wieder unvermittelt aufspringt, die Arme nach oben reisst und anfängt lautstark mitzusingen. Nach einigen Minuten scheint seine Energie aufgebraucht zu sein und er setzt sich wieder hin, um neue Kraft zu sammeln. Als dies zum wiederholten Mal passiert, fragt mich mein Sohn, was denn mit dem Mann los sei. Ich beruhige ihn und versichere ihm, dass alles in bester Ordnung sei. Mein Sohn bleibt skeptisch. Diese Form von praktiziertem Glauben während eines Gottesdienstes kannte er bis dahin noch nicht.

Nach den spirituellen Gesängen wird es auf einmal ganz weltlich, denn es folgen Ankündigungen diverser Aktivitäten wie eine bevorstehende Bibelkonferenz, Vorträge  und Workshops zu kirchlichen und gesundheitlichen Themen oder Schulungen für den Dienst in der Kirche. Danach wird die Kollekte eingesammelt, die praktischerweise in einen Umschlag gesteckt werden, die überall in kleinen Holzkästchen ausliegen. Auf dem Umschlag kann man seine Adresse eintragen sowie die Art und Höhe der Spende. Außerdem kann man vermerken, ob man ein Besucher oder ein neues Mitglied ist. Diese Aktion läuft zügig ab, da in jedem Gang Helfer die Körbe durchreichen. 

Als nächstes steht die Predigt des Pastors an, in der er nochmal auf die zukünftige Planung Bezug nimmt und seine Gemeinde dazu mahnt, sich so viel wie möglich in der Kirche einzubringen und seinen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten. Seine Worte werden dankbar aufgenommen und immer wieder von zustimmenden „hey man“-Rufen begleitet. Während der ganzen Zeit wird im Hintergrund leise Musik gespielt. Am Ende der Rede fordert er diejenigen, die aus irgendeinem Grund besonderen Zuspruch benötigen, auf zu ihm nach vorne zu kommen. Einige Besucher strömen nach vorne und werden an die Seite geführt. Nach einer weiteren Choreinlage, die von der Gemeinde voller Inbrunst mitgesungen wird, folgt eine kurze Segnung und die Verabschiedung. 

Schon während er die letzten Sätze spricht, rüsten sich die ersten Besucher zum Aufbruch. An den Türen zum Foyer werden Monatsprogramme verteilt, im Vorraum stehen Plakate mit den Veranstaltungshinweisen und es gibt auch einen kleinen Souvenirladen mit Büchern, CDs und Devotionalien. Der Besuch war für uns auf jeden Fall ein spirituell sehr erfrischendes Erlebnis, den wir bei Gelegenheit mit Sicherheit wiederholen werden.

Weitere Infos unter www.acog-chicago.org

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