Samstag, 8. Oktober 2011

Germany’s Best & Oktoberfest

Eine Woche später als das Original, aber dafür entsprechend länger fand dieses Jahr zum ersten Mal ein Oktoberfest am Navy Pier statt. Wenn man auf Feste dieser Art steht, kann man von Anfang September bis Ende Oktober jedes Wochenende irgendwo im Chicagoland „o‘zapft is“ – Stimmung genießen. Das größte und beliebteste Oktoberfest fand bisher immer am Lincoln Square statt, aber da es dem DANK-Haus, dem traditionellen Ausrichter , dieses Jahr angeblich nicht gelungen war,  die notwendige Finanzierung zu sichern, wurde das Fest kurzerhand von der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer (GACCoM) organisiert. Diese wollte die Gelegenheit nutzen, den Besuchern ein Bild des modernen Deutschlands zu vermitteln, das weitaus mehr zu bieten hat als bayerische Gemütlichkeit. Daher waren auf dem Weg zum Festzelt den Pier entlang Holzhütten aufgebaut, in denen sich deutsche Firmen und Institutionen präsentierten. Die Hütten erinnerten verdächtig an den Christkindlmarket, der seit 14 Jahren sehr erfolgreich in Chicago stattfindet, aber sie waren solide gebaut und schienen wind- und wetterfest zu sein. Deren Anzahl war sehr überschaubar, aber vielleicht musste sich das Fest erst einmal etablieren, um weitere Firmen als Sponsoren zu gewinnen.

Im Festzelt konnten Firmen auf jeden Fall für Kunden und Mitarbeiter Stammtische buchen, um zünftig zu feiern und diese Möglichkeit wurde auch rege genutzt.
Das Hüttenleben war dagegen sehr beschaulich. Am Navy Pier waren zwar viele Besucher unterwegs, aber dies waren zum großen Teil Touristen, die sich mehr für die Attraktionen des Piers interessierten und meistens ganz erstaunt waren, als sie sich auf einmal unverhofft vor dem Oktoberfestzelt wiederfanden. Manchmal kam allerdings auch jemand vorbei, der sich tatsächlich für mehr als deutsche Gemütlichkeit interessierte und mit entsprechenden Informationen versorgt werden wollte.

Das Goethe-Institut, als offizieller Vertreter der deutschen Kultur, verfügte über entsprechende Flyer und Broschüren, bot aber auch Merchandise-Artikel und Give-aways in Form von Bleistiften und farbenfrohen Pins an. Vor allem die Pins waren ein wahrer Segen, denn sie waren mit einprägsamen deutschen Wörtern beschriftet. Im Hinblick auf den bevorstehenden Festzeltbesuch wurden  „Wurst“, „Prost“ und „lecker“ am meisten nachgefragt.  Gerne genommen wurden aber auch „Schatz“, „Tschüss“ und „Mutti“. Die Pins eigneten sich natürlich hervorragend für eine kleine Deutsch-Demo, denn viele hatten den Ehrgeiz, die neu gelernten Wörter auch richtig auszusprechen. Bei dieser Gelegenheit, bot es sich natürlich an, den Flyer mit den Sprachkursangeboten gleich mitzugeben.

Bei einer meiner Einsätze  wurde ich von Chris, einem Mitarbeiter des DANK-Hauses unterstützt. DANK steht für Deutsch-Amerikanischer Nationalkongress und ist der Deutsch-Amerikanische Club in Chicago mit immerhin über 500 Mitgliedern. Chris war eine echte Bereicherung, denn er entpuppte sich als Deutschlandexperte und erzählte Interessenten  begeistert von seinen Besuchen auf dem Münchner Oktoberfest und dem Bad Dürkheimer Wurstmarkt. Ich hörte gespannt zu, als er über die Originalbrauereien Münchens referierte und beschloss nach meiner Rückkehr nach Deutschland, endlich einmal das größte Volksfest der Welt zu besuchen. Ab und zu kamen auch deutsche Besucher unterschiedlichster Couleur vorbei – Au-Pairs in Partylaune, Expatriate-Familien mit leichten bis mittelschweren Eingewöhnungsschwierigkeiten, heimwehkranke Austauschstudenten oder Geschäftsleute, die eigentlich nur zum Sightseeing an das Navy Pier gekommen waren, aber Lust auf einen kleinen Plausch hatten.

Nach einem meiner Einsätze beschloss ich endlich einmal einen Blick in das Festzelt zu werfen, aus dem ich bisher immer nur die Klänge der allseits beliebten Oompah-Musik vernommen hatte. Im Innern hatte man sich offensichtlich bemüht, etwas Münchner Okoberfest-Feeling zu zaubern, denn es hingen überdimensionierte Kronleuchter an der Decke und die Drehbühne wurde mit bunten Scheinwerfern angestrahlt. Die Bedienungen waren in rote und blaue Dirndls gekleidet und liefen quirlig zwischen den Bierbänken  umher. Als wir bestellen wollten, stellte sich heraus, dass die blauen Dirndls nur das Essen und die roten Dirndls nur die Getränke brachten. Hier hatte eben noch alles seine Ordnung! Nur beim Essen war man schon ziemlich amerikanisiert, denn dies wurde völlig stillos auf Plastikgeschirr bzw. in –bechern serviert. Dies tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch und ein Hinweisschild, dass das Tanzen auf Tischen und Bänken verboten sei, ließ vermuten, dass es an manchen Abenden hoch herging.

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