Freitag, 2. Dezember 2011

Happy Turkey Day


Alle Jahre wieder schlägt am letzten Donnerstag im November für Millionen von Truthähnen das letzte Stündlein. Die bedauernswerten Tiere enden als feister Braten mit oder ohne Füllung mit diversen Beilagen wie z.B. Kürbisschnitze oder Kartoffelpüree und krönen das wichtigste amerikanische Familienfest.

Die Vorzeichen dieses gesellschaftlichen Ereignisses sind unübersehbar. Bereits Tage vorher nimmt der Verkehr noch chaotischere Zustände an als sonst und auch die Schlangen in den Supermärkten werden immer länger. Sich am Vortag von Thanksgiving in den Supermarkt zu begeben, grenzt an Selbstmord, es sei dann man hat seine Einkäufe vorbestellt. Da die Parkplätze und Parkhäuser hoffnungslos überfüllt sind, parken kreuz und quer Fahrzeuge mit laufendem Motor und Warnblinkanlage, denn deren Halter haben die Geduld, die Nerven oder beides verloren und sich todesmutig ins Getümmel zwischen den Supermarktregalen gestürzt oder versuchen, ein verloren gegangenes Familienmitglied zu finden. Wohl dem, der kein Familienfest vorbereiten muss, denn der Einkauf ist ja erst der Anfang. Danach ist ein stundenlanger Einsatz in der Küche gefragt, bis der Vogel endlich servierfertig ist. Die Situation ist auf jedem Fall vergleichbar mit dem hektischen Treiben am Vortag von Heiligabend in Europa. 

Natürlich gibt es in den servicefreundlichen USA mittlerweile auch den „Convenience turkey“, d.h. man kauft den Vogel bereits vorgekocht und gefüllt und schiebt ihn zu Hause nur noch einmal kurz in den Backofen. Für ganz Bequeme bietet sich die Variante „Turkey-to-go“ an. Einige Restaurants bieten ein Buffet an, an dem man sich sein Truthahnessen zusammenstellen und servierfertig mit nach Hause nehmen kann. Bei dieser breiten Skala an Möglichkeiten muss daher kein Familiengelage mehr aus Zeit- oder Geldmangel ausfallen.

Wer nicht in der Küche steht, sich auf dem Weg zu seinen Lieben befindet oder einfach keine Lust auf Thanksgiving hat, kann sich ungehemmt dem „Black Wednesday“, wie der Tag vor dem Fest auch genannt wird, hingeben. Viele Bars werben mit „Blackout-Partys“. Hier kann man sich auf die bevorstehende Familienfeier einstimmen, die Hektik der letzten Tage abstreifen oder sich einfach so alle Lichter ausschießen. Zu den beliebtesten Partys gehören das Turkey Testicle Festival, der Black Wednesday Trolley Crawl und der Turkey Trolley Trot. Auf der jährlichen Partyskala steht der Black Wednesday auf jeden Fall an vierter Stelle nach Halloween, Silvester und St. Patrick’s Day. 

An Thanksgiving selbst sind dann tatsächlich die meisten Läden geschlossen und die Straßen wirken wie ausgestorben. Es herrscht eine fast unwirkliche Atmosphäre. Dieses Land, dessen Bewohner eigentlich immer „busy“ sind, hält inne und zelebriert die Familie. Dies scheint aber nur einen Tag lang gut zu gehen, denn obwohl natürlich viele den Feiertag zum Anlass für ein verlängertes Wochenende nehmen, wurde der Tag nach Thanksgiving zum „Black Friday“ erklärt. An diesem Tag öffnen viele Geschäfte bereits um Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden und locken die Kundschaft mit Sonderangeboten. Dieses Jahr haben wir ein Outlet entdeckt, dass sogar schon am Thanksgivingabend um 22.00 Uhr zum „Moonlight Madness Sale“ einlud. So fallen viele nahtlos vom Essens- ins Shoppingkoma, denn was ist naheliegender als mit gut gefülltem Bauch der Familienidylle zu entfliehen, um sich seinen Weihnachtseinkäufen zu widmen?

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