Montag, 18. Juni 2012

Bike the Drive


Da die Schule der Kinder die Teilnahme an wohltätigen Sportveranstaltungen fördert, beschlossen wir dieses Jahr an der Fahrradveranstaltung teilzunehmen. Die Bike-The-Drive-Veranstaltung hatte dieses Jahr das Ziel, Gelder für Mountainbikes zu einzusammeln und diese Kindern in Afrika zu gute kommen zu lassen, damit sich deren Schulweg von 4 Stunden auf 1 Stunde verkürzt, d.h. wir würden für eine gute Sache strampeln.

So klingelte am Memorial Day-Weekend sonntagmorgens lange vor dem ersten Hahnenschrei der Wecker. Schlaftrunken und mit ziemlich finsterer Miene wankten unsere Kinder zum Frühstückstisch. Nach einer kurzen Phase der gegenseitigen Schuldzuweisung, wer für die in ihren Augen schwachsinnige Idee verantwortlich zu machen sei, fügten sie sich in ihr Schicksal und widmeten sich nach einer ergebnislosen Recherche ihrem stärkenden Müsli. Meine Tochter jammerte, dass sie die einzige aus der ganzen Highschool sei, die an dieser Fahrradtour teilnehmen musste und hoffte darauf, dass sie niemand auf der Strecke erkannte. Hinzu kam noch ihre Sorge, ob ihre neuen, künstlichen Fingernägel der sportlichen Belastung gewachsen waren.

So rollten wir um 5.30 Uhr in Richtung Lakefront Drive, der sich trotz der frühen Uhrzeit zügig mit Fahrradfahrern zu füllen begann. Schließlich war dies der einzige Tag des Jahres, an dem die Stadtautobahn zumindest am Vormittag für den Verkehr gesperrt war. Wir beschlossen zunächst zum nördlichen Wendepunkt zu fahren, der sich an der Bryn Mawr Street befand. Da die Sonne sich noch hinter dicken Wolken versteckte, waren die Temperaturen noch durchaus angenehm. Außerdem wehte uns der Fahrtwind eine frische Brise um die Nase, so dass wir langsam aber sicher aufwachten. Nicht alle Teilnehmer fuhren in ihrem Bike-The-Drive-Shirt, so dass ich mich zunächst dem Studium der diversen Bikeshirt-Kollektionen widmete, wobei ich den Schwerpunkt meiner Recherche auf Sporttrikots der Stadt Chicago legte. Neben durchaus sehenswerter Outfits gab es auch noch die verschiedenen Drahteselvarianten zu bestaunen, denn neben schnöden Citybikes und Rennrädern waren verschiedene Liegefahrräder, Tandems, Tridems(?) und sogar Rikschas unterwegs. Beifahrer bzw. Begleitpersonal in Form von Kindern und Hunden wurden auf Schleppstangen, in Fahrradsitzen respektive –körbchen und Beiwägen transportiert, so dass bei unserer Etappe bis zum südlichen Wendepunkt keine Langeweile aufkam.

Trotz des immer dichter werdenden Zweiradaufkommens herrschte eine entspannte Stimmung, zumal sich an der Strecke verschiedene Versorgungsstationen befanden, die einen regen Zulauf verzeichneten, da die Temperaturen nun langsam steil nach oben kletterten und die Sonnenstrahlen die ersten Schweißperlen auf unsere Stirn zauberten. Endlich am südlichen Streckenende angekommen, herrschte dort bereits Volksfeststimmung. Wir legten spontan einen kurzen Boxenstopp ein, um unsere Wasservorräte aufzufüllen und um uns mit frischem Obst und leckeren Muffins zu stärken. Schließlich lag die schwierigste Etappe noch vor uns. In praller Sonne strampelten wir danach mit nicht mehr sonderlich motivierten Kindern zurück in die Stadt zum Grant Park, in dem bereits diverse Fitnessstände und eine große Musikbühne aufgebaut waren. Sogar ein Kletterfelsen stand in der Mitte, an der man noch vorhandene Restenergie abbauen konnte. Wir deponierten unsere Fahrräder und stürzten uns ins Getümmel. Eine Pause hatten wir uns nun redlich verdient.