Sonntag, 31. Oktober 2010

Die amerikanische Einwanderungsbehörde (USCIS)

Am nächsten Morgen ging es also downtown zur Einwanderungsbehörde USCIS (US Citizen and Immigration Services). Die Sicherheitskontrollen waren ähnlich streng wie am Flughafen und als ich dann endlich am richtigen Schalter war, wusste der Beamte gar nicht, was ich überhaupt von ihm wollte. Warum ich denn hier sei, wollte er wissen. Ich erzählte, dass das Social Security Office mich geschickt hätte. Er verdrehte die Augen. Offensichtlich ist das Verhältnis zwischen den beiden Behörden nicht das Allerbeste. Ich fühlte mich bereits wie ein Alien, obwohl ich offiziell ja noch nicht einmal diesen Status erreicht hatte. Ich ließ mich aber nicht abwimmeln. Auch Aliens in spe haben ein Recht auf Auskunft! Schließlich zog er entnervt einen Kollegen zu Rate. Dieser erklärte mir, dass ich auf jeden Fall eine Arbeitserlaubnis beantragen müsste. Diese würde 340 $ kosten und müsste schriftlich bei der Einwanderungsbehörde in Texas beantragt werden. Ich gab mich geschlagen, raffte meine Papiere zusammen und beschloss, zu hause erst mal eine ausgedehnte Recherche zum Thema L-2-Visum durchzuführen. Ich konnte schließlich unmöglich der erste Mensch auf diesem Planeten sein, der versuchte mit einem solchen Visum eine Sozialversicherungsnummer zu erhalten. 

Ich beschließe mehrgleisig zu recherchieren und stelle mein Anliegen in einem Expatriate-Forum, beim Amerika-Forum sowie auf einer amerikanischen Anwaltsseite, die kostenloses Feedback anbietet, ein. Ich rufe das deutsche Konsulat in Chicago an, das mich wiederum an das amerikanische Konsulat verweist. Nun denn, vielleicht lohnt es sich, erst einmal einen Blick auf die Website zu werfen. Ich stelle fest, dass es verschiedene Arten von Nicht-Einwanderungsvisa gibt, die durch unterschiedlichen Buchstaben bzw. Zahlen gekennzeichnet sind: Für Touristen, Geschäftsreisende, Durchreisende, Studenten, Teilnehmer an Austauschprogrammen und vorübergehend Beschäftigte – bingo. Die Kategorie L – firmeninterne Versetzung einer Arbeitskraft – unterteilt sich wiederum in verschiedenen Unterkategorien, aber mein L-2-Visum wird mit keiner Silbe erwähnt. Auch die websiteinterne Suche bringt kein Ergebnis. Ich begebe mich also auf die Seite „Visa-Informationsdienst“. Dort erfahre ich, dass ich einen kostenpflichtigen Informationsdienst anrufen kann – allerdings ist diese Telefonnummer nur innerhalb Deutschlands erreichbar. Ich lese also weiter. Weiter unten wird eine Servicenummer für Antragsteller außerhalb Deutschlands aufgeführt. Um diesen Dienst nutzen zu können, muss man allerdings 15 Euro bezahlen, die direkt über die Kreditkarte abgebucht werden. Time is money scheint sich auch beim amerikanischen Konsulat herumgesprochen zu haben. Interessant finde ich die Begründung, warum der Dienst kostenpflichtig ist: „In einer Zeit knapper Mittel ist es unmöglich, die zunehmende Arbeitsbelastung zu bewältigen....Als die Informationen für die Kosten eines normalen Telefongesprächs angeboten wurden, konnte man sie wegen der überlasteten Leitungen nicht erhalten. Jetzt bezahlen Sie etwas mehr(!) und wir können Ihnen mit genauen Informationen und einer schnelleren Erteilung des Visums dienen. Sie werden uns sicher zustimmen. Der Visa-Informationsdienst bietet Ihnen viel für Ihr Geld.“ Ich stimme keinesfalls zu und beschließe, noch einmal beim Amerika-Forum vorbeizuschauen. Ein Mitglied hat auf meinen Beitrag geantwortet und meine Befürchtung bestätigt, dass ich auf jeden Fall die 340 $ bezahlen muss. Ich schaue mich noch ein wenig auf der Website um, stoße auf einige erschütternde Visa-Schicksale und stelle fest, dass ich wohl noch zu den leichteren Fällen zähle. Auch die amerikanische Anwaltsseite bestätigt, dass ich auf jeden Fall eine Arbeitserlaubnis brauche, um eine Sozialversicherungsnummer zu erhalten. Im Expatriate-Forum erhalte ich kein Feedback.

Ich beschließe also das Formblatt I-765 “Application for Employment Authorization” auszufüllen. Immerhin steht es auf der Website der amerikanischen Einwanderungsbehörde als Online-Formular zur Verfügung. Die Gebühr wird sofort von der Kreditkarte abgebucht, die Bearbeitung bzw. Genehmigung des Formulars kann bis zu 90 Tage dauern. Ich beschließe, den Erhalt einer Sozialversicherungsnummer als langfristiges Projekt zu betrachten!

Link: USCIS

Samstag, 30. Oktober 2010

Sozialversicherungsnummer (social security number)

Nachdem uns die Einreise in die USA geglückt war, galt es nun im nächsten Schritt die überaus wichtige Sozialversicherungsnummer zu beantragen. Diese hat die Funktion eines allgemeinen Personenkennzeichens und wird nicht nur von der Sozialversicherung und im Gesundheitswesen, sondern auch von den Finanzbehörden, aber auch von privaten Unternehmen genutzt, um Auskünfte über bestimmte Personen einzuholen. Ohne eine solche Nummer ist man in den USA identitätslos und gilt als vogelfrei, denn man braucht diese Nummer nicht nur für alle Behördengänge sowie für den Umgang mit Banken und Versicherungen, sondern auch für weitere Anmeldungs- und Einkaufsaktivitäten.

Ich begab mich also auf der Website der Social Security Administration auf die Suche nach dem geeigneten Anmeldeformular. Bald wurde ich fündig und ließ gespannt die pdf-Version von SS-5 ausdrucken. Beim Ausfüllen stellte ich erstaunt fest, dass ich mich um den Status eines „Legal Aliens“ bemühte. So hatte ich mich bisher noch nie gesehen. Eine Liedzeile von Sting kam mir in den Sinn: „I am a legal alien, I am a legal alien. I am an Englishman in New York“. Ich schien also nicht die Erste zu sein, die dieses Schicksal ereilte. Das Nachschlagen im Wörterbuch beruhigte mich zusätzlich. Ich war nicht zwangsläufig eine Außerirdische, die in den USA um Aufnahme bat, sondern möglicherweise nur ein Fremdling oder Ausländerin bzw. Gebietsfremde. Nachdem ich das Formular für mich und die Kids ausgefüllt hatte, packte ich diese ins Auto und wir fuhren zum nächsten Social Security Office. 

Frohgemut zog ich eine Nummer und wartete, bis diese aufgerufen wurde. Die Beamtin am Schalter war zwar sehr nett, konnte aber nicht wirklich etwas mit meinen Anträgen anfangen. Nachdem sie sich lange unsere Pässe angesehen und mit ihren Kolleginnen besprochen hatte, händigte sie uns ein neues Formular aus und erklärte mir, wir seien leider nicht berechtigt eine Sozialversicherungsnummer zu  beantragen, denn wir hätten weder eine „Permanent Resident Card“, d.h. eine zeitlich unbeschränkte Aufenthaltserlaubnis, besser bekannt als „green card“ noch eine Arbeitserlaubnis (EAD = Employment Authorization Document) vorzuweisen. 

Sie verwies mich mit einem leichten Anflug von Mitleid an die amerikanische Einwanderungsbehörde USCIS (US Citizenship and Immigration Services). Immerhin eine leichte Gefühlsregung, aber meine ausgefüllten Formulare behielt sie ein. Als ich die Adresse in mein GPS eingab, stellte sich heraus, dass sich diese Behörde im Stadtzentrum befand, d.h. relativ weit von unserem derzeitigen Standort entfernt. Wir beschlossen daher, die Begegnung mit weiteren amerikanischen Beamten auf den morgigen Vormittag zu verschieben, um frisch und ausgeruht an die nächste bürokratische Hürde heranzugehen. Wer wusste schon, was dort auf uns zukam???

Link: Social Security Online

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Container

Die erste große Herausforderung ereilte uns schon kurz nach unserer Rückkehr: Nach fünf langen Wochen sollte unser Container angeliefert werden, den wir natürlich sehnsüchtig erwartet hatten. Schließlich gewöhnt man sich im Laufe des Lebens an einige Dinge wie z.B. einen Kaffee-Vollautomaten, Lümmelsofa, Plüschtiere oder Kerzenleuchter und möchte diese nicht länger als notwendig missen, zumal sie einem das Gefühl vermitteln, dass „Heimat“ überall auf der Welt sein kann. 

Die Spedition rief also an, um den Liefertermin zu bestätigen. Dies war zweifellos eine gute Nachricht. Weniger gut war der gleichzeitige Hinweis, dass man in unsere enge Straße keinen Container liefern könne, sondern auf einen kleineren Möbeltransporter umladen müsste. Ich war sehr verblüfft. Schließlich wohnten wir in einer normalen Straße, die mir noch nie als besonders schmal aufgefallen war. Eine diesbezügliche Anmerkung hatte zur Folge, dass der Speditionsmitarbeiter erstens auf Satellitenbilder bei Google Maps und zweitens auf seine 30-jährige Erfahrung als Spediteur verwies. Offenbar war er in dieser langen Zeit noch nie in unsere Gegend gekommen und musste daher auf Luftaufnahmen auf dem Internet zurückgreifen. Sehr verwunderlich! Weniger verwunderlich war dann die Information, dass wir für das Umladen 400 $ zahlen sollten – am besten bar und natürlich vor der Entladung. Ich erwähnte, dass wir erst einmal klären müssten, wer diese zusätzlichen Kosten übernimmt und dass es wohl am besten sei, die Anlieferung um 1-2 Tage zu verschieben. Er wies mich daraufhin dezent darauf hin, dass sich der Termin leider um eine  ganze Woche verschieben würde, falls wir nicht bereits wären privat in Vorlage zu treten. So gingen die Verhandlungen noch eine Weile per Telefon und E-Mails hin und her, bis ich schließlich mit den Nerven am Ende einwilligte. 

Unsere Möbel wurden auch prompt am nächsten Tag angeliefert und bis auf das Skateboard meines Sohnes und einer Blumenvase hatten alle Teile die weite Reise unbeschadet überlebt. Wir begrüßten jedes Möbelstück wie einen guten alten Bekannten, packten begeistert aus, räumten ein und feierten mit unserem Hab und Gut ein fröhliches Wiedersehen. Überraschenderweise passten unsere manchmal etwas eigenwilligen Möbelkombinationen sehr gut in die hiesigen Räumlichkeiten und wir waren froh, so viele Möbelstücke aus Deutschland mitgenommen zu haben. 

Die fehlenden Möbel kauften wir bei Ikea ein, den es seit kurzem in Schaumburg, etwas außerhalb von Chicago, gibt. Die Produktpalette ist zwar nicht identisch mit der europäischen, aber die Auswahl immer noch recht stattlich. Zunächst hatten wir aufgrund unseres begrenzten Aufenthalts in Erwägung gezogen, Möbel bzw. die ein oder andere komplette Zimmerausstattung zu mieten. Aufgrund der Höhe des Mietpreises haben wir von diesem Vorhaben wieder Abstand genommen. Dies ist aber bestimmt eine interessante Alternative für kurzfristige USA-Aufenthalte, die auf einige Monate begrenzt sind. 






Mittwoch, 27. Oktober 2010

Door Peninsula

Kurz nach unserer glücklichen Ankunft in den USA einige Wochen später, ging es erstmal in den wohlverdienten Urlaub auf die Door Peninsula nach Wisconsin, 250 Meilen nördlich von Chicago. Zu Recht eine der beliebtesten Urlaubsregionen am Michigansee und für einen Familienurlaub sehr zu empfehlen. Dort frönten wir dem amerikanischen Landleben. Wir sprangen jeden Tag in den See, besichtigten die Nationalparks, besuchten idylische Städtchen namens Egg Harbor, Fish Creek oder Sister Bay, übten uns im Tandem- und Jetskifahren und futterten uns mit Hilfe des erstaunlich gut sortierten Dorfsupermarktes durch einige gesunde und viele ungesunde Köstlichkeiten. Schließlich waren wir ja im Urlaub!

Durch Zufall entdeckten wir ein Hand-On Art-Studio, das Besuchern die Möglichkeit bietet, sich in vielen Kunsthandwerken auszuprobieren. Die Kinder beschlossen sofort, sich in diversen Fertigkeiten zu probieren, so dass ein nicht unbeträchtlicher Teil unseres Urlaubsbudgets für die Erstellung einer Glaskeramik, eines Mosaikspiegels, eines Gartendekoschweins sowie eines Schwertes eingesetzt wurde. Nur die limitierte Größe unseres Kofferraums verhinderte weitere künstlerische Pläne.

Auf einer unserer Ausflüge kamen wir eines Tages an einer Farm vorbei, die neben einem Markt mit regionalen Spezialitäten auch verschiedene Trolleyfahrten anbot. Eine dieser Touren hörte sich überaus spannend an: eine sogenannte Ghosttour, die in der Abenddämmerung startete und uns über mysteriöse und unerklärliche Geschehnisse aus der Vergangenheit informieren sollte. Wir beschlossen uns den dunklen Kapiteln dieser Gegend zu stellen und meldeten uns an. Kurz vor der Abfahrt erschien unser Fahrer mit einem Dracula-Umhang, begrüßte uns überschwänglich und erklärte uns, dass dies seine Lieblingstour sei und er wir uns auf spannende zwei Stunden freuen könnten. Dann tuckerten wir los. Wir hielten an typisch amerikanischen Holzhäusern, hinter deren idyllischer Fassade sich vor langer Zeit düstere Ereignisse abgespielt haben sollten. Kinder, die aufgrund von Unglücksfällen verschiedener Art früh verstarben, erschienen ihrer Familie mitten in der Nacht als Geister, Familienmitglieder, die bei einem Brand ums Leben kamen, waren als Schatten auf Familienfotos zu sehen, ein junges Mädchen, das einer heimtückischen Krankheit zum Opfer gefallen war, zeigte sich zuweilen am Fenster ihres ehemaligen Zimmers, Seeleute, die bei einem Schiffsunglück auf dem See ihr Leben ließen, spukten alljährlich am Tag des Unglücks an der Küste umher, die erste Leuchtturmwärterin der Gegend, die zu Lebzeiten ihr Haus und ihren Leuchtturm tadellos in Ordnung gehalten hatte, räumte auch nach ihrem Tod noch nachts die Küche auf und weckte durch ihre Aktivitäten regelmäßig ihre Nachfolger auf. Selbst auf dem Friedhof, auf dem wir die Grabsteine der Unglücksraben besuchten, spielten sich zuweilen seltsame Dinge ab, indem Utensilien, die an die Gräber gelegt wurden, um den Toten zu gedenken, plötzlich verschwanden oder an anderer Stelle wieder auftauchten. Wir waren auf jeden Fall ziemlich erstaunt über all diese übernatürlichen Phänomene und lauschten gespannt der sonoren Stimme unseres Fahrers.

Auf der Rückfahrt lief Mr. Twilight erst richtig zur Hochform auf, denn er spielte auf einmal ganz neuzeitlich Filmmusik zum Thema Geister und Monster an und wir mussten die entsprechenden Filme erraten. Danach begann er die jeweiligen Lieder lautstark mitzusingen und forderte uns auf es ihm gleichzutun bzw. seinen Gesang durch lautes Klatschen und Schnippen zu unterstützen. So intonierten wir mehr oder weniger erfolgreich die Titelmelodien von Ghostbusters, Monster Mash, der Addams Family und der Munsters, heulten wie die Werwölfe und sangen als absolutes Highlight „Thriller“ von Michael Jackson. Ein bisschen Show gehört in Amerika eben immer dazu. Die noch aktiven Geister und sonstige Fabelwesen in der Umgebung fragten sich sicher, wie sie dem lärmenden Trolley am besten den Garaus machen könnten. So erreichten wir gut gelaunt und wieder in der Gegenwart angekommen, unseren Ausgangspunkt. Der abendliche Ausflug hatte sich ohne Frage gelohnt!

Um unserem Urlaub einen würdigen Abschluss zu geben, beschlossen wir am letzten Abend die regionale Spezialität schlechthin zu kosten: eine Fish Boil. Im Hotel hatte ich einen sehr ansprechenden Hochglanzflyer entdeckt, der ein Restaurant in der Nähe bewarb, in dem man eben diese Köstlichkeit jeden Abend genießen konnte. Gespannt machten wir uns auf den Weg dorthin. Die Ankunft war etwas ernüchternd, denn bei dem Restaurant handelte es sich um eine bessere Holzbaracke mit einer Theke und langen Tischen und Stühlen, die den Flair einer Bahnhofskaschemme aus den 50er Jahren versprühte. Immerhin brodelte davor auf offenem Feuer ein großer Topf mit Salzwasser, in dem sich vermutlich der Fisch, rote Kartoffeln und Zwiebeln in einem gusseisernen Kessel befanden. Als das Fischöl an die Oberfläche kam, wurde noch etwas Kerosin ins Feuer gegeben. Dadurch kochte der Topf über und das Fischöl schwappte heraus. Das Essen war damit fertig gekocht und wurde auf Plastiktellern serviert. Als weitere Beilage gab es noch den allgegenwärtigen Coleslaw – die amerikanische Version von Krautsalat. Zum Trinken gab es wahlweise Limonade aus Plastikbechern oder Dosenbier.

Trotz des wenig stilvollen Ambientes schmeckte das Essen hervorragend. Wir futterten fröhlich vor uns hin und stimmten jedem Nachschlag gerne zu. Das Dessert in Form von Kirschkuchen wurde gleich mit dem Hauptgang serviert. Dies ist für Europäer ziemlich ungewohnt, aber die Amerikaner sehen auch den Besuch eines Restaurants offensichtlich ganz pragmatisch, denn dieser dient schließlich der Nahrungsaufnahme und auch dabei will man keine unnötige Zeit verlieren. Nach einer Stunde waren wir die letzten Gäste. Um uns herum war schon wieder für die erste Fish Boil des nächsten Tages eingedeckt und die Angestellten kreisten ständig um uns herum und fragten, ob denn alles in Ordnung sei. Wir wurden zwar nicht aufgefordert, uns mit dem Essen zu beeilen, aber es lag doch eine spürbare Ungeduld in der Luft. Deutsche Gemütlichkeit ist den USA leider völlig unbekannt. So verließen wir kurz nach 20.00 Uhr das Restaurant und als wir vom Parkplatz rollten, war dieses bereits dunkel und die Angestellten eilten ebenfalls zu ihren Fahrzeugen. Wir waren fassungslos! Um diese Uhrzeit nippt man in Deutschland gerade mal an seinem Aperitif und in Südeuropa fängt man an, sich über die Abendgarderobe Gedanken zu machen. Tja – Amerika ist eben das Land der „early birds“ und dies gilt auch für das Abendessen. Daran mussten wir uns wohl oder übel gewöhnen.

Tipp: doorcounty

Sonntag, 24. Oktober 2010

Visumantrag

Der nächste Schritt zur erfolgreichen Übersiedelung in die USA besteht darin, einen Antrag für ein Nichteinwanderungsvisum zu stellen. Hier gilt es zunächst das seitenlange Onlineformular DS-160 auszufüllen, das jeden deutschen Datenschützer auf die Barrikaden treiben müsste. Hat man es tatsächlich geschafft, diesen Fragebogen nach bestem Wissen und Gewissen auszufüllen, steht zugleich die nächste Herausforderung bevor: das hochzuladende Foto! Weißer Hintergrund, 5 x 5 cm, unverdeckte Ohren, kein offenes Lächeln. Letzeres erledigt sich durch die Vorgaben automatisch von selbst, da selbst der motivierteste Mitarbeiter eines deutschen Fotostudios irgendwann nur noch froh ist, wenn die Aufnahme im Kasten ist. 

Anschließend muss man telefonisch einen Termin beim Konsulat vereinbaren, um das Visum zu beantragen. Der erste Kontakt mit Mitarbeiter amerikanischer Behörden ist meistens ziemlich ernüchternd. Man wird bereits am Telefon nach Formularen und Beglaubigungen gefragt, von denen man noch nie gehört hat und nachdem man glaubhaft versichert hat, sich um die Beschaffung derselben zu kümmern, bekommt man Terminvorschläge mitgeteilt, die nicht unbedingt das dem eigenen Wohnsitz nächste Konsulat betreffen. Schließlich könnte ja jeder auf die Idee kommen, in die USA überzusiedeln. Zähe Verhandlungstaktik ist also angesagt, um den Konsulatsmitarbeiter zu bewegen, Gnade vor Recht ergehen zu lassen, um einen geeigneten Termin zu ergattern. 

Die Stunde Null der Visumbeschaffung schlug einige Wochen später. Bewaffnet mit einem Stapel Unterlagen, unseren Reisepässen und ausreichend Bargeld zog ich eine Nummer und stand artig und vor allem pünktlich in der Schlange, um Einlass in das amerikanische Konsulat in Frankfurt zu erhalten. Nachdem ich es durch alle Sicherheitsschleusen geschafft hatte, beantwortete ich ebenso artig alle Fragen an dem mir zugeteilten Schalter, bezahlte ohne zu Murren einen Aufschlag auf die Visumsgebühr, da sich der Wechselkurs in der Zwischenzeit zugunsten des Dollar geändert hatte und beantwortete ebenso artig alle Fragen, die mir ein Konsulatsmitarbeiter gelangweilt stellte. Und siehe da – meine Geduld schien sich auszuzahlen, denn mir wurde mitgeteilt, mit meinen Unterlagen sei alles in Ordnung und ich bekäme meinen Reisepass innerhalb einer Woche zugeschickt. Erleichtert machte ich mich auf den Heimweg, nicht ohne vorher meinen Mann zu informieren, dass dem Nachzug der Familie nun zumindest von behördlicher Seite nichts mehr im Wege stünde. Auch er war sichtlich erleichtert. Schließlich hatten wir schon die wildesten Geschichten gehört, aus welchen oft nicht nachvollziehbaren Gründen Visa abgelehnt werden.
Tipps:



Freitag, 22. Oktober 2010

Wigwamsuche

Die Suche nach einem geeigneten Domizil dauerte länger als geplant. Wir waren zwar hohe Mietpreise gewohnt, aber Chicago eröffnete uns ganz neue Dimensionen. Zwar hatten wir mit einer Maklerin diverse Objekte während unseres ersten Besuchs besichtigt, aber der Zustand der Wohnungen bzw. Häuser in Verbindung mit dem dafür geforderten Mietpreis machten uns ziemlich fassungslos. Manche Mietobjekte waren in einem solch desolaten Zustand, dass wir mutmaßten, das die letzten Mieter wohl schon kurz nach Ende des amerikanischen Bürgerkrieges ausgezogen sein mussten. Die Laune der Maklerin korrelierte zunehmend mit unserem schwindenden Optimismus eine passende Unterkunft zu finden. Ich beschloss daher auf eigene Faust im Internet zu recherchieren. Nachdem ich eine rührige Maklerin aufgetan hatte, die unser Budget nicht für völlig aussichtlos hielt, besichtigte ich virtuell Dutzende von Wohnungen, Häusern und weiteren seltsamen Immobilienobjekten, von denen es  immerhin eine Handvoll in unsere engere Auswahl schafften. 

Es reicht übrigens völlig aus mit einer Agentur zusammenzuarbeiten, da der Immobilienmarkt in USA offen ist, d.h. alle Makler greifen auf das gleiche Angebot zu. Da ich dies aber am Anfang nicht wusste, holte ich am Anfang Angebote von verschiedenen Immobilienfirmen ein, bis ich mir vorkam wie in dem Film „und täglich grüßt das Murmeltier“, denn ich schaute mir immer wieder die gleichen Häuser an.
Nach meiner Vorauswahl wurde mein Mann aktiv und besichtigte die Objekte unserer Begierde vor Ort, machte selbst Fotos und hilfreiche Notizen, die der anschließenden Besprechung via Skype dienlich waren.  Und das Wunder geschah – nach einigen Wochen und zähen Verhandlungen wurden wir tatsächlich fündig. Ein kleines altes amerikanisches Holzhaus in einem adretten Stadtviertel im Norden Chicagos sollte unsere neue Basisstation werden. Immerhin besaß es einen kleinen Garten und eine große Garage – beides ein absoluter Luxus in Stadtnähe. 

Ein großer Vorteil von amerikanischen Häusern ist, dass sie mit einer kompletten Küche, mehr als genügend Badezimmern sowie Waschmaschine und Trockner ausgestattet sind. Außerdem verfügen alle Schlafzimmer über eingebaute oder begehbare Kleiderschränke oder ganze Ankleidezimmer. Dies hängt vermutlich damit  zusammen, dass  Amerikaner im Durchschnitt viel öfter umziehen als Europäer. Daher leben viele Amerikaner praktischerweise in sogenannten „mobile houses“, die sie bei Bedarf einfach aufladen und mitumziehen. Die Umzüge stehen in direktem Zusammenhang mit den häufigeren Jobwechseln, d.h. die Amerikaner ziehen sozusagen ihren Jobs hinterher und dies nicht selten durch das ganze Land.

Tipp: @properties

Sonntag, 17. Oktober 2010

On an expats' mission...

...oder wie überlebt man als schrecklich nette deutsche Familie in den USA?

Vor einigen Wochen haben wir unser beschauliches deutsches Zuhause verlassen und sind für zwei Jahre nach Chicago übergesiedelt. Durch frühere Geschäfts- und Privatreisen nicht ganz unbedarft sowie durch ein interkulturelles Training bestens motiviert, stellten wir jedoch fest, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ob man in den USA nur als kurzzeitiger Besucher weilt oder dort im Alltag überleben will!!

Zwar bin ich bei Internetrecherchen nach Informationen über das Leben in den USA im allgemeinen und im mittleren Westen im speziellen durchaus fündig geworden, aber rundum zufriedenstellende Inhalte habe ich nicht entdeckt. Daher habe ich beschlossen, unser Abenteuer zu dokumentieren, um Besucher meines Blogs, die mit einem längeren USA-Aufenthalt liebäugeln, umfassend zu informieren, zu motivieren und zu unterhalten.

Für konstruktive Anregungen, Hinweise oder Ergänzungen bin ich jederzeit dankbar.

Viel Spaß bei der Lektüre...